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Sonderausstellungen | Bildergeschichten der Reformation

Bildergeschichten der Reformation

29. Oktober 2017 bis 2. April 2018                                                                                   

In den Jahrzehnten um 1600 entstanden in Bremen zahlreiche Möbel mit detailreichen Schnitzereien, die biblische Geschichten nacherzählen. Sie wurden im Auftrag wohlhabender Bürger angefertigt, die so ihre Orientierung an den Normen christlicher Lebensführung demonstrierten. Martin Luther stand Bildwerken im Kirchenraum zwar ablehnend gegenüber, schätzte sie aber zur Veranschaulichung seiner Glaubenslehren.

Zwischen 1560 und 1630 entstand in Bremen eine große Zahl von Repräsentationsmöbeln mit figürlichen Bildschnitzereien, die detailreiche Schilderungen religiösen Inhalts zeigen. Die Bildfelder werden von Textleisten gerahmt, die deren Ikonographie erläutern. Ganz im Sinne Martin Luthers dient hier die Anschaulichkeit szenischer Darstellungen dem eindeutigen Verständnis vieldeutiger Bibelstellen oder reformatorischer Lehrbilder.

Bald nach der Mitte des 16. Jahrhunderts war es in Bremen zu einem innerprotestantischen Glaubensstreit und in dessen Folge zu einer rigiden Ablehnung bildender Kunst im Kirchraum gekommen. Der Ausfall kirchlicher Aufträge kam jedoch nicht dem Niedergang religiöser Kunst gleich. Wohlhabende Bürger ließen solche „Snitger“-Werke für die private Sphäre fertigen als Zeichen ihrer Orientierung an den Normen christlicher Lebensführung. Der kontemplativen Betrachtung entzogen und in die profane Welt der Bürger transponiert, erhalten die religiösen Darstellungen einen narrativen Duktus. Zugleich lassen die nach druckgraphischen Vorlagen komponierten Bilderzählungen eine erwachte Freude an wirklichkeitsnahen Schilderungen erkennen.

Am Beispiel der Bildschnitzereien erläutert die Ausstellung, wie ein epochaler gesellschaftlicher Wandel auf die Künste wirkte und wie diese wiederum gewandelte Glaubensgrundsätze propagierten. Es wird eine Kunst beleuchtet, die, ebenso wie der reformierte Glaube, nicht ihren Verlauf hätte nehmen können ohne die vorhergehende Entwicklung von Buchdruck und Kupferstich. 

Blick in die Ausstellung
©Focke-Museum | Martin Luther


 

   
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