Sonderausstellungen
2012Vogeler für alle
Katalogmöbel nach Entwürfen von Heinrich Voeler aus der Worpsweder Werkstätte
Eine Ausstellung des Focke-Museums in Kooperation mit den Worpsweder Museen in der Unteren Rathaushalle
13. Juni bis 2. September 2012
Um 1900 war die künstlerische Durchdringung aller Lebensbereiche zum Anliegen vieler Entwerfer und Architekten geworden. Auch Heinrich Vogeler, der in erster Linie als Maler und Graphiker bekannt ist, hat sich schon früh dem Möbelbau und der Raumkunst gewidmet. Erste Erfahrungen sammelte er mit Umbau und Einrichtung seines privaten Wohnsitzes, des Barkenhoffs. Gerühmt wurde seine Neugestaltung der als Gesamtkunstwerk konzipierten Güldenkammer im Bremer Rathaus; wenig später bezauberte die Zeitgenossen das für die Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung in Dresden 1906 entworfene „Zimmer einer jungen Frau“.
Auf dem Weg der ästhetischen Erneuerungsbewegungen geriet mit Beginn des 20. Jahrhunderts auch die bäuerliche und handwerkliche Alltagskultur ins Blickfeld der Künstler. So entwarf Vogeler parallel zu exquisiten Einzelaufträgen in Kleinserie gefertigte Möbel, welche Elemente der Volkskunst mit den Tendenzen der Moderne verbinden sollten. „Ich versuche hier einen Zusammenhang mit der alten Bauernkunst zu finden“, schrieb er 1907, „und diese für den modernen Menschen ... praktisch verwertbar zu machen.“
Die vom Focke-Museum konzipierte Sonderausstellung zeigt in der Unteren Rathaushalle eine Auswahl dieser Katalogmöbel. Exemplarisch belegt der in vielen Varianten gezeigte Tulpenstuhl, wie der berühmte Jugendstilkünstler Elemente der Volkskunst mit den Tendenzen der Moderne verband.
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Montags ist sie geschlossen.
Jeweils dienstags, donnerstags und sonnabends werden um 13 Uhr kostenlose Kurzführungen angeboten.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit den Worpsweder Museen statt, die vom 26.5. bis 30.9. die große Sommerausstellung „Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär“ zeigen.
2013
Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz
10. März bis 8. September 2013
Mit dem Begriff „Germanien“ verbinden sich ganz unterschiedliche Vorstellungen und Assoziationen. Dabei gab es kein Volk, das sich selbst Germanen nannte oder seine Heimat als Germanien titulierte. Dieser einst von den Römern erfundene Oberbegriff für die auf der rechten Rheinseite lebende Bevölkerung erlebte über die Zeit hinweg verschiedene ideologische Aufladungen. Während des Nationalsozialismus arbeiteten Archäologen der Politik selbstständig zu und lieferten angebliche Belege für die germanische Hochkultur und ihr großes Siedlungsgebiet. Damit wollte das NS-Regime die eigene Überlegenheit beweisen und Besitzansprüche auf Territorien in den Nachbarländern legitimieren.
Die Ausstellung deckt die enge Verzahnung von Archäologie und Politik im Dritten Reich auf und zeigt, wie Ausgrabungsfunde der medialen Propaganda dienten. Zeitschriften, Bücher, Schulwandbilder, Sammelbilder, Filme und Radiosendungen belegen, wie das ideologisch geprägte Germanienbild während des Nationalsozialismus zum Allgemeinwissen mutierte. Ein Bild, das sich so verfestigte, dass der Spuk auch nach 1945 seine Fortsetzung fand. Die Ausstellung legt dar, wie diese falschen Vorstellungen bis heute in der rechten Szene weiter propagiert werden.
Die Sonderausstellung wird von der Kulturstiftung des Bundes mit 150.000 Euro gefördert und stützt sich auf neueste Forschungsergebnisse, die seit 2010 im Rahmen des Projektes „Vorgeschichtsforschung in Bremen unterm Hakenkreuz“ erarbeitet werden. Die VolkswagenStiftung unterstützt das Forschungsvorhaben in ihrer Förderinitiative „Forschung in Museen“ mit rund 235.000 Euro. Das Forschungsprojekt wird vom Focke-Museum in Kooperation mit der Bremer Landesarchäologie und dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen durchgeführt.
gefördert durch
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