13ter Stock

Interaktive Filmvorführung und Gespräch

Als die Bundesrepublik in den 70er-Jahren ihren Weg in die Moderne sucht, verlassen die Architekten und Planer die Zentren der großen Städte. Vor den Toren Frankfurts entsteht die Nordweststadt, im Schatten der Berliner Mauer die Gropiusstadt. In dieser Zeit wird im Norden von Bremen die Grohner Düne gebaut. 527 Wohneinheiten, Platz für mehr als 1500 Menschen.

Später gerät die Grohner Düne in Verruf. Drogen, Kriminalität und Ghettobildung: Hier wohnen nur noch die, die keine Wahl haben. Zuletzt wird immer wieder von Abriss gesprochen. Doch die Düne bleibt. Man versucht zu reparieren, was zu reparieren ist. Die Erfolge der Bausanierung und des social engineering werden durch eine 24-Stunden-Videoüberwachung und einen privaten Wachschutz abgesichert. Veränderung beginnt am Rand. Wie weit kann man heute schon vom 13. Stock aus sehen?

Der Videokünstler Florian Thalhofer und der Schriftsteller Kolja Mensing haben gemeinsam einen ungewöhnlichen Dokumentarfilm gedreht: 2004 haben sie einen Monat lang in einer Wohnung im 13. Stock der Grohner Düne verbracht und sich auf die Suche begeben nach den Geschichten hinter den vielen Türen der Hochhaussiedlung.

»13ter Stock« erzählt von hohen Häusern und kleinen Welten, von "Schöner Wohnen" und sicher Leben, von Angst, Architektur und Abenteuer. Vor allem geht es um die Heimat im Hochhaus – und anderswo. Herr Berisha berichtet, wie seine Familie aus dem Kosovo vertrieben wurde, Herr Özgüvenç, der einen Gebrauchtwarenladen in der Siedlung betreibt und vor dreißig Jahren als türkischer Gastarbeiter eingewandert ist, findet, dass Deutschland endlich die Grenzen schließen muss, und Frank sucht auf dem Hof der Siedlung nach den Bruchstücken seiner Kindheit.
Da diese Geschichten in der Wirklichkeit nicht nacheinander, sondern gleichzeitig passieren, setzt der Film auf eine interaktive und non-lineare Erzählweise und wurde auf dem Stuttgarter Filmwinter 2006 mit dem IBM Preis für neue Medien ausgezeichnet.

Im Rahmen der Sonderausstellung  »Protest+Neuanfang. Bremen nach '68« kommen Florian Thalhofer und Kolja Mensing, die mittlerweile beide in Berlin leben, nun — nach mehr als 10 Jahren — noch einmal nach Bremen um ihren ungewöhnlichen Film am 

Dienstag, den 9. Januar, um 19 Uhr

bei uns im Focke-Museum zu präsentieren. Im Anschluss daran werden sie mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Jan Werquet, über den Film und ihre Erlebnisse bei den Dreharbeiten sprechen und in einer Gesprächsrunde für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung stehen.

 

Eintritt 4 €
Anmeldung möglich unter Tel. 0421-699 600-50

Die Großwohnsiedlung "Grohner Düne" entstand zwischen 1969 und 1973 auf dem ehemaligen Gelände der Norddeutschen Steingutfabrik in Vegesack



zurück zur Übersicht