September 2021

Auf „ins Grüne“


Das Bremer Kunsthandwerk und das Focke-Museum verbindet eine lange Geschichte  

Von Dr. Uta Bernsmeier  

Nachhaltig produzieren – nachhaltig nutzen lautet das Gebot der Stunde, auch wenn die Realität überwiegend anders aussieht. Die Bedeutung einer ressourcenschonenden,  Abfall vermeidenden Herstellung langlebiger Objekte muss man Kunsthandwerkern und -handwerkerinnen nicht erklären, sie ist Teil ihres Selbstverständnisses. Am 18. und 19. September 2021 bittet die Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen wieder „Ins Grüne“ des Focke-Museums.

Blick auf ausgestellte Keramiken auf Podesten an der Rückseite von Haus Riensberg im Park.

Ausstellung "ins Grüne" im Park Riensberg (c) AKB

Zwei Keramikgefäße an einem Stand im Park

Keramik von Frauke Alber, Foto: Juliane Ludewig

Seit mehr als 60 Jahren haben nicht wenige Bremer Künstlerinnen und Künstler Bemerkenswertes zum Thema Gestaltung beigetragen: auf ebenso innovative wie individuelle Weise, authentisch und wertschöpfend, inspiriert und materialverbunden und zugleich aller guten Handwerkstugenden bewusst.

Zwei Vasen und eine Schale von Auguste Papendieck mit blauer Lasur.

Keramiken von Auguste Papendieck. (c) Focke-Museum, Sigrid Sternebeck

Es begann mit einer Anzahl von Schmuckkünstlern, Tischlern, Keramikern und Ausübenden weiterer Gewerke, die sich 1959 im Focke-Museum unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen“ als Berufsverband organisiert hatte. Die Initiative zur Gründung der AKB ging vom Museum aus, das auf diese Weise den edukativen Impetus des Gewerbemuseums – eine der beiden Vorgänger-Institutionen des Focke-Museums – in die Moderne führen wollte.

„Bewahrte Tradition erfüllt nur dann ihren Sinn“, schrieb der damalige Direktor Werner Kloos, „wenn sie in der Gegenwart wirksam wird: nicht durch Nachahmung, sondern durch das Beispiel von Werktreue, Materialgerechtigkeit und beseelter Form.“ Der Umfang wertschätzender Unterstützung, den die Bremer Kunsthandwerker in den folgenden Jahren erfuhren, war erheblich. Bis in die 2000er-Jahre war die AKB mit ihren Jahresausstellungen im Focke-Museum präsent. Für eine mehrjährige Interimszeit wählte sie das Übersee-Museum als Ausstellungsort. Ab 1977 lobte die senatorische Kulturbehörde alle zwei Jahre einen Förderpreis für das Kunsthandwerk aus im Wechsel mit dem großzügig ausgestatteten Auguste-Papendieck-Pries der Sparkasse Bremen. Bis 2015 wurde diese renommierte, mit einer Einzelausstellung und Katalog verbundene Auszeichnung vergeben, die in den letzten Jahren für Bremen, Niedersachsen und die vier östlichen niederländischen Provinzen geöffnet war.

Profil und Erfolg der „Angewandten Kunst Bremen“ verdanken sich aber bei weitem nicht nur solch institutioneller Hege. Es ist vor allem die Lust am kreativen Disput, der gestalterische Esprit und der Wagemut, mit dem neue Wege ausprobiert werden; und es ist die loyale Kooperation der Mitglieder, welche gemeinsame Projekte wie etwa die Produzentengalerie und die Tage der offenen Werkstätten zum Erfolg und den Kunsthandwerkerverband des kleinsten Bundeslandes zu überproportionaler Reputation führen.

Zwei Kommoden in Form von Holzstapeln. Im geschlossenen Zustand sehen die Kommoden aus wie Holzstapel. Die Türen und Schubladen sind versteckt.

Für diese Kommoden erhielt Peter Heidhoff 2010 den Auguste-Papendieck-Preis. (c) Focke-Museum, Sigrid Sternebeck

Als eine originelle Veranstaltungsreihe im Bremer Kultursommer hat sich über die Jahre „Ins Grüne“ etabliert. Hier inszenieren die Bremer Angewandten Künstler und Künstlerinnen ihre Arbeiten im Naturraum des englischen Landschaftsgartens rund um Haus Riensberg. Die Antinomie von Kunst und Natur lösen sie so auf, setzen beides in Beziehung zueinander, auf subtile, auf witzige, auch auf robuste Weise.

„Ins Grüne“ findet alle zwei Jahre statt, war in diesem Jahr also eigentlich nicht „dran“. Wer sich aber an die langen Reihen wartender Besucher erinnert, die im letzten Jahr geduldig auf ihren Einlass in den Park unter Corona-gerechten Bedingungen erwarteten, der freut sich aufs Grüne „außer der Reihe“. Den ausstellenden Künstlern ist von Herzen für ihr Engagement zu danken.