september 2020

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte ehrt Lebensleistungen der Arbeitsmigrant*innen der ersten Generation im Focke-Museum.

Ab den 1950er-Jahren kamen Tausende von Menschen aus dem Mittelmeerraum in die Bundesrepublik und damit auch nach Bremen und Bremerhaven, um sich eine neue berufliche Existenz aufzubauen. Den im Zuge des „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik und auch in Bremen wachsenden Bedarf an Arbeitskräften versuchte man durch Abkommen mit Anrainerstaaten des Mittelmeers zu befriedigen. Nach dem Anwerbeabkommen mit Italien, das 1955 in Kraft trat, und den Abkommen mit Spanien und Griechenland 1960 wurde die Bundesrepublik 1961 mit der Türkei ein weiteres Mal in Südeuropa fündig. Es folgten Verträge mit Marokko (1963), Portugal (1964) und Tunesien (1965) sowie 1968 mit Jugoslawien.

In Bremen wurden die sogenannten „Gastarbeiter“ bei den Werften Bremer Vulkan und AG „Weser“ sowie bei den Stahlwerken und der Bremer Wollkämmerei dringend gebraucht. Sie kamen zumeist aus der Türkei, Italien und dem ehemaligen Jugoslawien und vor allem in den Stadtteil Gröpelingen.

Am 1. September 2020 wurde die Lebensleistung der Arbeitsmigrant*innen der ersten Generation im Focke-Museum geehrt. Veranstalter waren die Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung und das Focke-Museum. Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte hielt eine Laudatio ebenso wie die Bestsellerautorin Ferda Ataman. Ihr Buch „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“ löste 2019 eine Debatte über Zugehörigkeit aus. Im Anschluss wurden „Zeitzeugeninterviews“ vom Filmemacher Orhan Calışır gezeigt.

Die Ehrung steht im Zusammenhang eines Projekts, das verschiedene Bremer Akteur*innen ins Leben gerufen haben. Sie wollen die Entwicklung der Arbeitsmigration in Bremen aufzeigen und die Geschichten der Bremer*innen mit Einwanderungsbezug inhaltlich aufarbeiten. Ziel des Projekts ist es, die Anwerbung von Migrant*innen für den deutschen Arbeitsmarkt ab den 50er Jahren als integralen Bereich der jüngeren Stadtgeschichte zu zeigen und die gesellschaftliche Diversität im heutigen Bremen historisch zu verorten.



Die Veranstaltung wurde gefördert im Programm