Oktober 2019

1936 musste der jüdische Fotograf Julius Frank sein Atelier in Lilienthal aufgeben und flüchtete vor den Nationalsozialisten in die USA. Mit im Gepäck hatte er einen Teil seiner national und international prämierten Originalfotografien. Seine Kinder Mike und Barbara Frank haben sich jetzt entschlossen, diese wertvollen und umfassenden Dokumente der Fotografiegeschichte dem Focke-Museum und dem Heimatverein Lilienthal zu schenken.

Auf Einladung des Heimatvereins kommt Mike Frank nun in die alte Heimat seiner Eltern und besuchte dabei am Freitag, 11. Oktober das Focke-Museum. Hier schaute er sich die Objekte an, die aus dem Atelier seines Vaters seit Mitte der 1980er-Jahren im Focke-Museum gezeigt und aufbewahrt werden. Anschließend übergab er rund 150 Fotos aus dem Bestand seines Vaters. Darunter sind auch zahlreiche Bilder, die sein Vater bei seiner Flucht in die USA mitgenommen hatte, um sein Können in der neuen Heimat unter Beweis zu stellen. Es handelt sich wohl um Atelieraufnahmen als auch um künstlerische Bilder der norddeutschen Landschaft, die in den USA teilweise in Ausstellungen gezeigt und prämiert wurden. „Es ist eine große Geste, dass Barbara und Mike Frank uns diese Bilder überlassen. Wir freuen uns sehr darüber und sind zutiefst dankbar“, so Dr. Frauke von der Haar, Direktorin des Museums.

1985 kamen im Vorfeld einer Ausstellung zur Bremer Fotografie im 19. Jahrhundert Bestände aus einem Lilienthaler Fotoatelier ins Focke-Museum. Es waren Bestände von Fritz Hahn und dessen Vorgänger Julius Frank, der in dritter Generation dieses Fotoatelier bis zu seiner Flucht nach Amerika geführt hatte. Im Museum befinden sich außerdem Aufnahmen von allen drei Fotografen aus dem Haus Frank. Diese Porträts, Postkarten und künstlerische Fotografien stammen aus verschiedenen Bremer Haushalten und zeugen von der Beliebtheit des Lilienthaler Fotoateliers.

Julius Frank (senior) gründete 1872 ein Foto- und Malergeschäft. 1897 wird das Fotoatelier und Geschäft in der Hauptstr. 44 gebaut. Zunächst übernahm der Sohn Henry Frank und nach dessen Tod 1931 der Enkel Julius Frank das Geschäft. Im Mai 1936 übergab Julius Frank sein Atelier an Fritz Hahn und flüchtete in die USA. Der in Detroit lebende Onkel sorgt für den beruflichen Neuanfang des Neffen.  Seit den 1950er Jahren lebt die Familie in Los Angeles und seit 2005 hat der Heimatverein Lilienthal regen Kontakt mit ihr.

Details zum Schicksal der Familie Frank nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Flucht und ihr weiteres Leben in Amerika wurden erst durch die Recherchen des Heimatvereins Lilienthal zur Geschichte der Familie Frank bekannt, die 2005 in der Publikation „Als die Hoffnung starb… Das Schicksal der jüdischen Fotografie-Familie Frank aus Lilienthal“ veröffentlicht wurden. Auf Einladung des Heimatvereins kamen Mitglieder der Familie Frank Ende 2005 nach Deutschland und besuchten auch das Focke-Museum. Bei diesem Anlass wurden ihnen die größtenteils im Schaumagazin ausgestellten Exponate, Fotoapparate und Laborgeräte, gezeigt. Möglicherweise sind auch noch weitere Alltagsobjekte aus dem Haushalt Frank über den Nachfolger Fritz Hahn ins Museum gekommen. Die Kinder von Julius Frank, die erst in Amerika geboren sind, kannten diese Dinge weder aus Erzählungen noch aus eigener Anschauung. Die Provenienz konnte so letztendlich nicht geklärt werden.

Das Focke-Museum möchte in seiner neuen Dauerausstellung das Schicksal der Familie Frank darstellen. Anhand der Fotografien, der bereits vorhandenen Objekte im Museum und der Recherchen des Heimatvereins Lilienthal hat es dafür nun eine gute Grundlage.

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