Mai 2021

Der Senator für Kultur hatte das Focke-Museum – Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte – mit der Ausrichtung eines Kunstwettbewerbs zum Thema „Kolonialismus und seine Folgen in Bremen“ betraut und die Mittel für die Preisgelder bereitgestellt. Für ihre Arbeit „Warum passe ich immer in die Beschreibung?“ erhält Hodan-Ali Farah den mit 3.000 Euro dotierten 1. Preis. Das Bild beschäftigt sich mit dem racial profiling. Ihr folgen auf dem 2. Platz Mariam Aboukerim und Maimuna Sallah im Namen der Black Community Foundation mit der Collage „Past vs. Present – Unser Kampf um einen ‚Safe Space‘ zwischen kolonialen Kontinuitäten in Bremen“. Die Arbeit thematisiert die Zeugnisse des Kolonialismus im Stadtbild. Platz 3 sprach die Jury Miriam Atayi für ihren Beitrag „Rassismus und Kolonialismus. Was ist mit heute?“ zu.

1. Preis: Hodan-Ali Farah "Warum passe ich immer in die Beschreibung?"

2. Preis: Mariam Aboukerim und Maimuna Sallah (für die Black Community Foundation) "Past vs. Present - Unser Kampf um einen 'Safe Space' zwischen kolonialen Kontinuitäten in Bremen"

3. Preis: Miriam Atayi "Rassismus und Kolonialismus. Was ist mit heute?"

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz: „Ich freue mich sehr, dass 67 Künstlerinnen und Künstler unserem Aufruf gefolgt sind und gratuliere den Gewinnerinnen. Ihre Arbeiten machen uns nachdrücklich auf die Folgen von Rassismus aufmerksam. Gleichzeitig demonstrieren sie die Möglichkeiten der Bildenden Kunst, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und die Betrachtenden zum Nachdenken zu anzuregen.“

Die Preisverleihung fand online am 25. Mai 2021 um 18 Uhr statt. An diesem Tag jährte sich der Mord an dem Schwarzen Amerikaner George Floyd. Laura von Asseburg, die der Jury angehörte, sagte in ihrer Ansprache, dass der Kolonialismus viel zu lange verschwiegen worden sei. Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von Christian Bakotessa, der unter anderem sein Lied „Kein Mensch ist illegal“ vortrug.

Die Abbildungen aller Werke werden demnächst auf der Internetseite des Focke-Museums präsentiert. Die prämierten Werke werden dabei besonders hervorgehoben. Alle analogen Werke verbleiben im Besitz der Künstlerinnen und Künstler. In Absprache mit ihnen ist eine Ausstellung einiger Kunstwerke im Stadtlabor des Focke-Museums, voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres, geplant.

„Die Vielfalt der gewählten Medien und Ausdrucksformen ist sehr eindrucksvoll“, sagt die Direktorin des Focke-Museums, Prof. Dr. Anna Greve. „Die dazugehörenden Kurztexte erläutern die jeweilige Position und formulieren aufschlussreiche Perspektiven. Herzlichen Dank an alle Beteiligten!“

Etwa 40 Prozent der eingereichten Werke sind Beiträge, die aus einer Schwarzen oder einer PoC (people of colour)-Perspektive heraus artikuliert wurden. Dadurch vermitteln die Werke sehr persönliche Einblicke in Erfahrungen mit (Alltags-)Rassismus und die Resignation darüber, diesen stets wieder erleiden zu müssen. Gleichzeitig werden aber auch Wut und Empowerment artikuliert. Unter den 67 Einsendungen gab es auch welche aus Nigeria, Namibia und Südafrika.

Die Jury bestand aus Vertretern und Vertreterinnen aus Kultur und Zivilgesellschaft, die den Bremer Bürgerdialog „Kolonialismus und seine Folgen in Bremen“ seit 2016 begleiten beziehungsweise aktuell zu der Thematik in Bremen arbeiten:
Patience Amankwah: Künstler_in und Referent_in für rassismuskritische und differenzsensible Bildungsarbeit, Laura von Asseburg (Referentin für Politische Bildungsarbeit, Aktivistin verschiedener Afro-diasporischer Gruppen und Poetin), Prof. Dr. Anna Greve (Direktorin des Focke-Museums – Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte), Dr. Arie Hartog (Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses Bremen), Virginie Kamche (Gründerin des Afrika Netzwerkes Bremen, Fachpromotorin für Migration, Diaspora und Entwicklung).

Der vom Senator für Kultur initiierte Bürgerdialog „Kolonialismus und seine Folgen in Bremen“ begreift sich als laufenden Prozess eines postkolonialen Erinnerungskonzeptes, das von Mitgliedern der Zivilgesellschaft getragen wird. Die offensive Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus und seinen Wurzeln im Kolonialismus, das Sichtbarmachen kolonialer Spuren im öffentlichen Raum und die Pflege partnerschaftliche Beziehungen mit den Gesellschaften ehemals kolonialisierter Länder werden in Bremen als miteinander verwobene und nicht voneinander zu trennende Aspekte des Umgangs mit dem kolonialen Erbe verstanden.

Informationen zum Bürgerdialog und dem Thema „Kolonialismus und seine Folgen in Bremen“ sind hier zu finden.