So 12. Mai 11:30

Irmgard Keun: Schreiben wie Film

Lesung mit Musik aus der Reihe Capriccioso

Sonderausstellung

Steljo Eleftherakis

Neue Sachlichkeit als witzig-bissige Popliteratur

„Hier wächst etwas heran, was es noch niemals gegeben hat: eine deutsche Humoristin." (Kurt Tucholsky)

Sie war der Shooting-Star der Literaturszene zu Beginn der 30er-Jahre. 1931 erschien mit – für damalige Zeiten – sensationellem Erfolg ihr Debütroman „Gilgi, eine von uns“ und schon ein Jahr später – noch erfolgreicher – „Das kunstseidene Mädchen“. Beide Romane handeln von jungen Frauen, die mehr sein wollen als hübsche Heimchen am Herd, die Lust auf ein Leben haben, das größer ist als die kleinbürgerliche Enge, der sie zu entrinnen versuchen. Das Thema ist nun nicht ganz neu, aber zuvor nie dagewesen ist die Art und Weise, wie die 1905 in Berlin geborene Irmgard Keun damit umgeht: mit einer für ihr junges Alter  phänomenalen Beobachtungsgabe, mit einem Sinn für funkelnden Witz und souverän eingesetzte Ironie, der Tucholsky begeistert: „Hier ist ein Talent. Wenn die noch arbeitet, reist, eine große Liebe hinter sich und eine mittlere bei sich hat -: aus dieser Frau kann einmal etwas werden.“

1933 fand die hoffnungsvolle Karriere ein jähes Ende: „Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz“ urteilen die Nazis. Ein abenteuerliches Leben beginnt – mit Flucht ins Exil, Leben in Nazi-Deutschland unter falschem Namen, scheiternden Lieben, einer Nachkriegsproduktion, die nicht an die Erfolge der jungen Jahre anknüpfen kann, schließlich fortschreitender Alkoholismus, der mit einem fast siebenjährigen Aufenthalt (1966-72) in der Psychiatrie in Bonn. Dann die beinahe wundersame Wiederentdeckung in den 70ern. Kurz vor ihrem Tod 1982 erhält sie den neu geschaffenen Marie-Luise-Fleißer-Preis der Stadt Ingolstadt – auf diese Weise sozusagen verbunden mit der anderen großen weiblichen literarischen Hoffnung der 30er-Jahre. Immer noch vielen unbekannt, ist Irmgard Keun als Künstlerin und als mutige Frau jedenfalls immer eine Entdeckung wert. Dabei gerne behilflich sind

Steljo Eleftherakis als Rezitator und für die musikalische Begleitung sorgen Peter Dahm (Saxophon) & Ralf Stahn (Kontrabass)

12 €, 10 €
In Kooperation mit der Kulturwerkstatt.Westend