Profit und tod
Während des Zweiten Weltkriegs ging von Bremen in vielfacher Hinsicht Gewalt gegen polnischen Menschen aus. Die Stadt war ein bedeutendes Zentrum der Rüstungsindustrie: Zahlreiche der in Polen eingesetzten Waffen wurden hier gefertigt. Zugleich verschleppte man viele polnische Zwangsarbeiter*innen nach Bremen. Einzelne Bremer erschlossen sich Profitmöglichkeiten innerhalb des Ghettosystems und trugen damit zur NS-Vernichtungspolitik im neuen osteuropäischen Herrschaftsbereich bei. Andere Unternehmer, die zuvor in kolonialen Kontexten in Übersee tätig gewesen waren, beteiligten sich an der wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten polnischen Gebiete. Ihr Handeln legitimierten sie mit kolonialen, antisemitischen und nicht zuletzt antislawischen Deutungsmustern.
Borgwards Technologie im Warschauer Aufstand

Warschau, Johanneskathedrale
Foto: Masza Sitek, 5. Januar 2026
Am 13. August 1944 ereignete sich eine verheerende Explosion. Polnische Aufständische hatten einen erbeuteten schweren Ladungsträger Borgward B IV in die Warschauer Altstadt gebracht. Das in Bremen hergestellte, mit Sprengstoff beladene Fahrzeug detonierte in einer Menschenmenge und forderte etwa 300 Opfer.
„walerek war immer naiv“
Angeblich meldete sich Walerian Wróbel freiwillig zur Arbeit nach Deutschland. 1941 kam er auf einen Bauernhof in Bremen-Lesum an. Krank vor Heimweh, legte er in der naiven Hoffnung, „zur Strafe“ nach Hause entlassen zu werden, ein Feuer in der Scheune. Nach einem Sondergerichtsverfahren wurde er im Alter von 17 Jahren hingerichtet.

geb. 1925, Fałków, gest. 1942, Hamburg
Bremen, nach 8. April 1942
Bildquelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Bremen, 8. Juli 1942
Bildquelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Vegesacker Textilkaufmann im Warschauer Ghetto

geb. 1909, Meppen, gest. 1954, Bremen
Bildquelle: Institut für Nationales Gedenken – Kommission zur Verfolgung von Verbrechen gegen die polnische Nation
Walter Caspar Többens profitierte ab 1941 im Warschauer Ghetto von Zwangsarbeit für die Wehrmacht und bereicherte sich massiv. Nach dem Aufstand 1943 verlegte er seine Produktionsstätte nach Poniatowa in Südostpolen, wo die 10.000 jüdischen Arbeitskräfte samt ihren Familien ermordet wurden. Nach 1945 verurteilt, später nur als „Mitläufer“ eingestuft, setzte Többens seine Geschäfte in Bremen-Vegesack fort.
Von Afrika nach Polen
Ernst Durlach, Eigentümer der Firma Overbeck & Co., habe die polnische Niederlassung „nach Art unseres afrikanischen Faktoreisystems“ geleitet. Im Tätigkeitbericht von 1944 behauptete er überdies:
Einen Begriff vom Wert der Zeit hat der polnische Bauer und Kleinhändler – auch der Arbeiter – nicht, und die ganze Primitivität des Handels, der Umgebung und der Menschen erinnerte uns manchmal stark an Afrika.

Zit. nach: Mitteilungsblatt der Industrie- und Handelskammer in Lublin, Nr. 2-3, Februar – März 1941