
Veranstaltungsreihe
Fokus Polen!
Fokus Polen!
Seit 50 Jahren ist Danzig Bremens Partnerstadt. Rund 30.000 Menschen polnischer Herkunft leben in Bremen. Erstmals wird sich die polnische Präsenz in der Bremer Stadtgesellschaft künftig auch in der neuen Sammlungsausstellung im Focke-Museum ab 2028 widerspiegeln. Eine Vorschau zur „polnischen Spur“ finden Sie ab dem 17. April – dem Jahrestag der Eröffnung des Bremer Solidarność-Büros 1982 – auf unserer Website.
Gesprächsabend: Bremer und Danziger im „kolonialen Osteinsatz“ 1939–1945
12. Mai 2026, 18 Uhr
Focke-Museum, Bauernhaus,
Gespräch mit Dr. Felix Matheis
Moderation: Henning Bleyl
Mit seinem Buch Hanseaten im „Osteinsatz“ schließt Dr. Felix Matheis eine Forschungslücke zur Rolle der Bremer Wirtschaft im Nationalsozialismus. Im Fokus stehen die Expansionsstrategien hanseatischer Kaufleute im besetzten Polen 1939–1945. Vor allem Hamburger und Bremer, aber auch Danziger Unternehmer waren an der brutalen Ausbeutung der polnischen Landwirtschaft beteiligt. Zudem wirkten sie maßgeblich daran mit, insbesondere die polnischen Jüdinnen und Juden auszurauben. Viele der Bremer Kaufleute waren bis 1939 im Kolonialhandel tätig gewesen und rechtfertigten ihr Vorgehen in Polen mit kolonialen sowie antisemitischen und nicht zuletzt antislawischen Deutungsmustern.
Eintritt frei

Kinoabend: Kunst, Migration und Identität
4. Juni 2026, 18 Uhr
Focke-Museum, Bauernhaus,
Dokumentarfilm von Christine Jezior: The Haendel Variations, 2018 (73 Min.), OmU
Im Anschluss Gespräch mit der Filmkünstlerin und Sektempfang
Moderation: Ilona Rieke (Filmbüro Bremen)
Talent kennt keine Landesgrenzen und prädestiniert sogar für eine migrantische Lebensform. So siedelte die in Polen geborene Filmkünstlerin Christine Jezior 1986 nach Deutschland über. Heute ist sie in der Bremer Kino- und Musikszene tätig. Ähnlich komplex sind die Biografien ihrer Protagonistinnen, wie etwa die der weltberühmten jüdisch-polnischen Violinistin Ida Haendel (1928–2020). Was bleibt am Ende des Lebens, wenn man sein ganzes Sein und Tun der Musik gewidmet hat? Wenn die Epoche, aus der die eigene Geigenkunst stammt, bereits lange der Vergangenheit angehört? Wenn die Finger es einem nicht mehr erlauben, das geliebte Instrument zu spielen?
Eintritt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro

Kinoabend: Eine Danziger Liebesgeschichte
25. Juni 2026, 18 Uhr
Focke-Museum, Bauernhaus
Dokumentarfilm von Christine Jezior, GOSIA@TOMEK, 2021 (90 Min.), OmU
Im Anschluss Gespräch mit der Filmkünstlerin und Sektempfang
Moderation: Ilona Rieke (Filmbüro Bremen)
Diese Liebesgeschichte aus dem heutigen Danzig basiert auf E-Mails, die Gosia täglich an Tomek schreibt. Inzwischen sind es über 3000. In ihrer einfühlsamen Verfilmung wirft Christine Jezior Fragen universeller Natur auf: Was geschieht mit einer Beziehung, wenn ein Partner nach einem Unfall plötzlich schwerstbehindert ist? Für Gosia steht fest, dass sie zu ihrer großen Liebe Tomek steht und ihm ein so erfülltes und normales Leben wie möglich schenken möchte. Doch immer wieder stößt sie an Grenzen – ihre eigenen und die einer Gesellschaft, die zwar viel über Inklusion spricht, aber oft noch nicht bereit dafür ist.
Eintritt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro

Mobiles Geschichtslabor auf dem Deutsch-polnischen KulturfestTheater Bremen
29. August 2026
Theater Bremen
Das Focke-Museum lädt zu einem Treffpunkt auf dem Deutsch-polnischen Kulturfest ein. Hier sind sowohl Quiz- und Ratespiele zu finden als auch Gelegenheiten zum Austausch persönlicher oder familiärer Erfahrungen. Ziel ist es, gemeinsam zu erkunden, wie vielfältig die Schicksale vieler Pol*innen und Bremer*innen miteinander verflochten sind. In welchem Sinn von einer „geteilten Geschichte“ die Rede sein kann? Teilen die Menschen polnischer und deutscher Herkunft ein gemeinsames Erbe oder ist unsere Stadtgesellschaft durch abweichende erinnerungspolitische Ansätze geteilt?
Gesprächsabend: „Eine unsichtbare Minderheit“?
15. September 2026, 18 Uhr
Focke-Museum, Bauernhaus,
Podiumsgäste:
Konsulin Marzena Szczypułkowska-Horvath (Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg)
Izabela Bieda (MoBA-Beratungsstelle für mobile Beschäftigte und Opfer von Arbeitsausbeutung im Land Bremen)
Uwe Metschke (Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen)
Moderation: Karolina Benedyk (Bremer Journalistin)
Nur wenigen ist bewusst, dass die polnische Community zu den größten Bevölkerungsgruppen mit Zuwanderungsgeschichte in Bremen zählt. Dies wirft die Frage auf: Inwiefern sind die Menschen mit polnischer Herkunft Teil einer „unsichtbaren Minderheit“? Wie viele Pol*innen leben überhaupt in Bremen? Warum ist es so schwierig, dies zu ermitteln? Inwieweit unterscheiden sich die Selbst- und die Fremdwahrnehmung der Menschen? Wie verhalten sich die verschiedenen Generationen der zugewanderten Familien zu den Fragen von Identität und Zugehörigkeit? Erfährt der polnische Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Bremen zu wenig Anerkennung? Und letztendlich: Was bedeutet dann „Un-/Sichtbarkeit“ – je nachdem, wer sich wie und wann darüber äußert?

Gesprächsabend: Preview DER „polnischen spur“ in der neuen Sammlungsausstellung
22. September 2026, 18 Uhr
Focke-Museum, Bauernhaus
Vortrag: Dr. Masza Sitek
Im Anschluss Empfang zum gemeinsamen Anstoßen und Austausch
Die künftige Dauerpräsentation des Focke-Museums ruft jene Ereignisse der Bremer Geschichte in Erinnerung, die exemplarisch sind für zentrale Aspekte der deutsch-polnischen Beziehungen. Diese werden in einen breiten geschichtlichen Kontext eingebettet und mit zentralen Themen der Gegenwart verknüpft. Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die Kernfragen der bis heute andauernden Migrationsgeschichte: Fragen nach der Identität und der Zugehörigkeit zur Bremer Stadtgesellschaft. Dadurch entsteht ein eigener Themenstrang, der sowohl als Mediaguide-Führung vor Ort als auch als Online-Angebot zugänglich gemacht wird.
Kooperationspartner
Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg; Senatskanzlei Bremen; Stiftung die schwelle. Beiträge zum Frieden; Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen; Landeszentrale für politische Bildung; Filmbüro Bremen; MoBA-Beratungsstelle für mobile Beschäftigte und Opfer von Arbeitsausbeutung im Land Bremen
infos zu den veranstaltungen
Alle Veranstaltungen finden im Bauernhaus statt. Es ist über den Ernst-Grohne-Weg eingeschränkt barrierefrei zu erreichen.
Tickets für die Filmabende erhalten Sie ausschließlich online bei Nordwestticket.
Möchten Sie mehr über die polnisch-bremischen Beziehungen erfahren? Dann schauen Sie sich auch die polnische Spur auf unserer Website an.