politischer schauplatz
Vor dem Hintergrund der Entspannungspolitik der 1970er-Jahre und des Erstarkens der Oppositionsbewegung in Polen entstanden vielfältige polnisch-bremische Initiativen und Netzwerke. 1975 wurde die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Bremen gegründet, ein Jahr später folgte die Städtepartnerschaft mit Danzig. Eine Gruppe polnischer Gewerkschafter, die 1981 in Bremen von der Verhängung des Kriegsrechts in ihrer Heimat überrascht worden waren, gründete hier ein Auslandsbüro der Solidarność. Dieses fand Anerkennung beim US-Präsidenten Ronald Reagan. Von deutscher Seite erfuhr es hingegen eine nicht ganz einhellige Solidarität. Diese Vorhaben verbanden Hoffnungen – spiegelten aber zugleich die oft divergierenden Erfahrungshintergründe und politischen Einschätzungen der Akteur*innen wider.
Zivilgesellschaftliche Initiative

Bremen, 17 November 1981
Bildquelle: Archiv der Forschungsstelle Osteuropa Universität Bremen, FSO 02-106/K-152
Die Deutsch-Polnische Gesellschaft e.V. (DPG) wurde 1975 aus einer Privatinitiative heraus gegründet. Trotz der frühen Beteiligung führender Bremer Politiker blieb sie unabhängig von staatlichen Strukturen. Auf die Entwicklungen in Polen nach 1980 reagierte sie mit kulturellem Austausch und humanitärer Hilfe.
Wie versteht die DPG nach 50 Jahren vielseitiger Tätigkeit ihre heutige Mission? Aktuelle Themen und Veranstaltungen können Sie hier verfolgen.
Katarzyna Weichert (Vorsitzende der DPG): Die Deutsch-Polnische Gesellschaft e.V. begleitet die Städtepartnerschaft Bremen–Danzig von Beginn an und trägt dazu bei, sie auf zivilgesellschaftlicher Ebene lebendig zu halten.
Auf dünnem eis
Die bereits seit einigen Jahren bestehende Städtepartnerschaft ermöglichte es 1981 der Arbeitnehmerkammer Bremen, eine Gewerkschaftsdelegation aus Danzig einzuladen. Angesichts des Kriegsrechts bot die Bremer Politik den Werftarbeitern Schutz. Dies stieß auf Ablehnung der Volksrepublik Polen und Kritik aus Bonn; bürgerliche Kräfte beklagten dagegen eine zu geringe Unterstützung.

Collage von Karel Trinkewitz, 1981
Bildquelle: Archiv der Forschungsstelle Osteuropa Universität Bremen, FSO 02-060/W-239
(K)eine erfolgsgeschichte

Foto: Bremen, 19. April 1982
Bildquelle: © Senatskanzlei Bremen
In der Bremer Erinnerung bewies die Eröffnung des Solidarność-Büros am 17. April das politische Geschick der Regierung Hans Koschnicks. Nach einer Phase intensiver Aktivität geriet es jedoch in eine Krise. Gründe waren deutsch-polnische Missverständnisse sowie Vorwürfe der Unfähigkeit und Kollaboration mit dem polnischen Geheimdienst.
Ronald Reagan schreibt nach bremen
Die Orientierung der Büromitglieder an den USA und Ronald Reagan wurde in Westdeutschland kritisch diskutiert. Die persönliche Beantwortung eines Briefes durch den Präsidenten war ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Solidarność. Dennoch wurde die Bremer Episode zur Fußnote aktueller polnischer Kontroversen.

an Bremer Solidarność-Büro
Washington, 19. Juli 1982
Bildquelle: Privatarchiv Marcin Bobrowski