im Haus Riensberg

heinrich vogeler im focke-museum

zum 150. geburtstag von heinrich vogeler

Haus Riensberg präsentiert anlässlich des 150. Geburtstages zusätzliche  Objekte des Künstlers   

Im Dezember 2022 jährt sich der Geburtstag Heinrich Vogelers zum 150. Mal. Die  Worpsweder Museen – Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh und Worpsweder Kunsthalle – zeigen aus diesem Anlass die Gemeinschaftsschau „Heinrich Vogeler. Der Neue Mensch“ (27. März bis 6. November 2022).  Zu den Bremer Kooperationspartnern gehört auch das Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, in dessen Sammlung sich zahlreiche Objekte des Künstlers befinden.

Heinrich Vogeler war ein vielseitig begabter Künstler, der in der Buchgestaltung und Druckgrafik Maßstäbe setzte und als Maler und Architekt, Designer und Innengestalter arbeitete. Er traf den Geschmack des Bürgertums und war weit über Bremen und Worpswede hinaus gefragt.    

Anlässlich des Jubiläumsjahres präsentiert das Focke-Museum zusätzliche Objekte des gebürtigen Bremer Künstlers. In der Halle im Erdgeschoss von Haus Riensberg ist jetzt ein Stuhl aus der Güldenkammer des Bremer Rathauses ausgestellt, die Vogeler 1905 in ein Jugendstil-Juwel verwandelt hat. Eigentlich hatte er für die Prägetapete einen grün-goldenen Dekor vorgesehen, ausgeführt wurde sie dann aber in rot-gold. Und auch der Stuhl war ursprünglich mit rotem Leder bezogen und erhielt erst 1964 seinen grünen Bezug. Die Stühle wurden aus Nussbaumholz gefertigt und weisen im Rückenbrett eine Einlegearbeit aus verschiedenen Hölzern auf, die das bekrönte Bremer Wappen, das von zwei Löwen flankiert wird, zeigt. 

Parallel zu den Planungen für die Erneuerung der Güldenkammer zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereicherten großzügige Stiftungen die Bestände des Bremer Ratssilbers um anspruchsvolle Silberarbeiten im neuen Stil. 1907 schenkte Senator Johannes C. Achelis zwei Schalen, die nach einem Modell von Heinrich Vogeler gearbeitet waren. Den Schaft, auf dem die runde glatte Schale ruht, hat Vogeler als eine von stilisierten Wellen umspielte Nixe gestaltet, die in ihren Armen ein Füllhorn hält und so allegorisch auf das Meer als Quelle bremischen Wohlstands hinweist (W.H. Wilkens & Söhne, 1907).

Präsentiert werden zudem Teile des Margueritenbesteckes. Für die bremische Silberwarenfabrik Wilkens entwarf Heinrich Vogeler wiederholt Besteckmuster und Korpusteile. Während er sonst einen mehr floral-fließenden Ornamentstil bevorzugte, setzte er für das Margueritenbesteck die Blüten in streng geometrische, rechteckige Rahmen.  Das Herbstzeitlosen-Besteck ist mit einem Fischmesser und einer Fischgabel vertreten. Sein Motiv taucht auf dem innen vergoldeten Becher wieder auf, der ebenfalls von Wilkens in Bremen gefertigt wurde.

Wer nun die Treppe von der Halle in das erste Geschoss nimmt, läuft in Kürze direkt auf das Kamingitter zu, das Heinrich Vogeler für die Münchener Villa des „Insel“-Verlegers Alfred Walter Heymel entwarf. Über diese frühe kunsthandwerkliche Arbeit Vogelers schrieb Rainer Maria Rilke in seinem Worpswede-Buch: „Wie er Metall überhaupt zu brauchen weiß, davon zeugt auch das prachtvolle Messing-Rosengitter des Kamins, das, indem es organisch aufwächst, zugleich wie ein Visier, das Feuer durchschauen läßt, das sich dahinter erheben soll.“

Heymel war das besondere Stück, das die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, München, ausgeführt hatten, so kostbar, dass er es mitnahm, als er nach Bremen zurückkehrte. Im Esszimmer seines neuen Wohnsitzes an der Riensberger Straße verwendete er es weiter.

Im Zimmer links neben dem Kamingitter befindet sich ein weißer Armlehnstuhl Vogelers mit Geflecht, daneben ein sogenannter „Kannenstock“, ein Schrank, in dem Kannen und anderes Geschirr aufbewahrt wurden. Man kann sich die robuste Anrichte aus Eichenholz mit ihren geometrischen Kerbschnitzereien gut in einem niedersächsischen Bauernhaus vorstellen, wo sie, geschreinert von einem Mitglied der Familie, seit Generationen weitervererbt wird. Tatsächlich aber haben wir es hier mit einem Designermöbel zu tun, das für die Produktion in Serie konzipiert wurde. Mit seinen „Worpsweder Möbeln“, die ab 1908 in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Franz in den sogenannten „Worpsweder Werkstätten“ in Tarmstedt hergestellt wurden, knüpfte Vogeler bewusst an ländliche Traditionen der Region Teufelsmoor an, in der er lange Zeit lebte. Der Kannenstock wurde in unterschiedlicher farbiger Ausführung angeboten, und die Schnitzereien wurden stets variiert.

Im benachbarten Raum befindet sich das ganz anders geartete „Zimmer einer jungen Frau“, ein zartes, biedermeierlich anmutendes Schlafzimmer, das als Ensemble erhalten ist. Weißlackiertes Holz, geschnitzte und mit zarten Rottönen gefärbte Rosenblüten sowie goldenes Blattwerk vermitteln eine freundliche, lichte Atmosphäre. 1906 wurde die hölzerne Wandvertäfelung mit den integrierten Schränken und Kommoden auf der Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden gezeigt. Die Blenden der an den Wänden entlanglaufenden Vertäfelung fungieren als Rahmen, in denen Druckgrafik Heinrich Vogelers präsentiert wird: in der Mehrzahl märchenhafte und idyllische Sujets, an denen sich eine junge Frau erfreuen mochte. Nach der Ausstellung erwarb Heinrich Müller-Pearse das Zimmer. Auf seinen Wunsch wurden nachträglich das Bett und der große Kleiderschrank angefertigt. Die roséfarbene Papiertapete ist eine spätere Zutat.  

ÖFFNUNGSZEITEN

  • Montag
    geschlossen
  • Dienstag
    10:00 – 21:00 Uhr
  • Mittwoch bis Samstag
    10:00 – 17:00 Uhr
  • Sonntag
    10:00 – 18:00 Uhr
  • Führungen für Schulklassen
    nach Vereinbarung Mo – Fr ab 8:30 Uhr

Haus Riensberg, der Eichenhof, die Scheune und das Haus Mittelsbüren haben abweichende Öffnungszeiten.